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Berlin besitzt viele ungenutzte Bauten; manche liegen nach Ende der Verwendung brach, manche wurden nie genutzt und sind für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Lediglich Menschen, die sich kostspielige „Abenteuertouren“ leisten können, dürfen sie besichtigen.
Zu diesen verborgenen Orten gehören die immer noch existierenden Bahnhofsrohbauten der nie ausgeführten Ubahnlinie U10, die ursprünglich von Lankwitz bis nach Weissensee führen sollte: Der Rohbaukomplex unter dem Innsbrucker Platz.

Nachdem Massen an Flüchtlingen in das westliche Europa geflohen sind, auf der Suche nach einem sicheren Leben und auf der Flucht vor Krieg, Armut, Folter und dem Tod, ist die Thematik omnipräsent.
In den Medien, in politischen Debatten oder in Kneipen – diskutiert wird überall. Aber, ob gewollt oder nicht, über geflüchtete Menschen als Individuen mit eigener Identität wird dabei kaum gesprochen. Daher treten sie in dem Diskurs nicht als gleichwertige Persönlichkeiten mit spezifischen Biographien und eigenen Fähigkeiten auf.

Sie sind nur Zahlen. Zahlen, die an unwirtlichen, oft unwürdigen, Orten untergebracht werden; häufig nicht mit mehr Hab und Gut als einer Isomatte und einem Schlafsack.

Einer der Besucher dieser Secret Tours, die den zahlungswilligen Bürgern Zutritt zu Berlins verbotenen Orten gewährt, hat berichtet, dass eine BVG-Mitarbeiterin unsere Installation mit  zwanzig Isomatten und Schlafsäcken während der Tour, noch bevor die meisten Teilnehmer*innen es sehen konnten, zerstörte.
Anstatt sie zu verwenden, wurden sie auf Haufen in den Dreck gezerrt – aus Angst, eine Installation dieser Art könnte dem Bild der Organisation schaden. Auf Nachfrage des Besuchers, was sie da gerade vernichtet hätte, antwortete sie: eine Kunstinstallation, die sie nicht verstehe, ähnlich dieses ominösen Ubahnzimmers oder eines in einem U-Bahnhof platzierten Vorgartens.

Berlin features many unused buildings; some lie fallow after usage, some have never been utilized and are not accessible for the public. Only people who can afford high-priced “adventure tours” are allowed to visit them.
Among these hidden places is the still existing shell construction of the never implemented subway line U10, that was meant to connect Lankwitz and Weissensee: the complex below Innsbrucker Platz.

After scores of refugees fled to Western Europe in search of a safe life and trying to escape war, poverty, torture and death the subject matter ist omnipresent.
In the media, in political debates or in pubs – discussions take place everywhere. But whether volitional or not refugees are rarely talked about as individuals mit a distinct identity. Therefore they don’t appear in the discourse as equal people with specific biographies and particular abilities.

They are just numbers. Numbers that are being placed in inhospitable and often undignified locations; frequently with not more belongings than a camping mat and a sleeping bag.

One visitor of these Secret Tours that grant citizens willing to pay access to Berlins forbidden places has reported that an employee of the subway authority destroyed our installation with twenty mats and sleeping bags during a tour before most of the participants could even see it.

Instead of using them they were piled in the dirt for fear of damage to their reputation. Upon request of the visitor what she had destroyed she answered, an art installation that she doesn’t understand, similar to this ominous underground room or a front garden located in a station.

Fotos
#1-3 Bahar Kygsz

Text
Schmitti Dunkelbach